Artist | Christine Biehler (*1964)

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    • Christine Biehler

      Installation "HEIMATLAGER (serve cool)"1997
    • Christine Biehler

      Installation "HEIMATLAGER (serve cool)" - Detail1997
    • Christine Biehler

      HEIMATLAGER 440 ml1997

Biography

Biography

1964 geboren in Landau/Pfalz
Studium der Bildenden Kunst und Germanistik in Mainz, Berlin(HdK) und Braunschweig (HBK) bei Prof. A. Nierhoff (Plastik), Prof. Dörte Eißfeldt (Foto) und Prof. B. Hein (Film/Video).
Auslandsaufenthalte.
1. und 2. Staatsexamen.
Diplom. Meisterschülerin
lebt und arbeitet in Frankfurt/Main

Awards and Scholarships

Awards and Scholarships

1986 - 94 Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung. Studien- und Graduiertenförderung
1991 Förderstipendium der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
1991 1. Preis Stipendium Junge Künstler Rheinland-Pfalz, Jockrim
1994/95 Arbeitsstipendium des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst
1996 Arbeitsstipendium des Braunschweigischen Vereinigten Kloster- und Studienfonds
1998 Projektstipendium, Werkleitz-Gesellschaft, Sachsen-Anhalt - 1. Preis »Kunstpreis Projekt Hafermagazin«, Landau/Pfalz Burgund-Stipendium, Ministerium für Kultur, Jugend, Familie und Frauen RUP

Exhibitions, Perfonnances (selection)

Exhibitions, Perfonnances (selection)

1993 Landau/Flfalz, Kunstverein Villa Streccius
1993 Dessau, bauhaus - München, Marquard Palais - Mainz, Galerie Simulakrum
1994 Nürnberg, ART-Finale - Frankfurt, Galerie Frank Hänel - Germersheim, Jahreskunstausstellung Rheinland-Pfalz - Glasgow, Old Fruitmarket Gallery - Breda, Academie St. Joost, »Germinations VIII« - Europäische Biennale für junge Künstler
1995 Warschau, Nationalgalerie für Zeitgenössische Kunst - Athen, Akademie der Bildenden Künste, The Factory - Madrid, Museum für Zeitgenössische Kunst
1996 Essen, Kunsthaus - "Luftschlösser" - Mühltal, wacker-kunst - Wolfsburg, Kunst museum, »Venus Wohd"
1997 Braunschweig, Kunstverein Salve Hospes
1998 Landau, Hafermagazin, »air base 30°, 60°, 95°« - Luzern, Performancetage
1999 Essenheim, Kunstverein, »bergauf« - Frankfurt, Ausstellungsraum sequenz, » 102 m über +/-0 - ground floor« - Ludwigshafen, Kunstverein »Emy-Roeder-Preis 1999«

About the work (deutsch)

About the work (deutsch)

Heimatlager (serve cool). 1997. Raum / Videoinstallation
Mattweiß gestrichene Fensterscheiben; Wandgroße Videoprojektion in Farbe an der Stirnwand der Galerie, 12-Minuten-Loop; Sound aus 4 Lautsprechern in den Raumecken; Skulpturen:
1: 60 x 130 x 62 cm. Kühl/Gefrierkombination, Schranktüren, Montageschaum, Modellbaugebirge, Plastikfigürchen, Neonlampe, 4 Kühlschrankeinlegeroste, 2 Drahtkörbe
2: 54 x 80 x 61 bzw. 122 cm. Kühlschrank, Glaswolle, strukturierte Glasplatte, Gummitier, Gummischlauch, Stroboskoplicht
3: 82 x 120 x 55 cm. Kühl/Gefrierkombination, Kühlschrankplastikeinsätze, Endloscassette mit Wassergeräusch

November 1997: Ein schwacher Lichtschimmer dringt durch scheinbar bereits völlig mit Eis überzogene Fensterscheiben nach draußen und verheißt Zuflucht vor den ersten kalten Frostnächten des Jahres. Wer den Ausstellungsraum betritt, trifft zunächst auf drei wie zufällig abgestellte Truhen - ausgediente Kühlschränke, die - wie sich an unverkennbaren Details herausstellt - "ausgewaidet" und umgebaut, auf je verschiedene Weise ihr Innenleben preisgeben. Eine leise Unruhe breitet sich im Raum aus.
Aus der ersten, allseitig verschlossenen Truhe dringt gurgelndes Wassergeräusch, eine zweite kleinere sendet nervös flackerndes Stroboskoplicht in den Raum. Durch einen aufgestellten gläsernen Einlegeboden hindurch erkennt man schemenhaft einen feuerroten Spielzeughund, der an einen ebenfalls roten Schlauch angeschlossen ist: Signallampe, Intensivstation? Ein Krankenlager. Im letzten Kühlschrank, einem Sarkophag ähnlich, hat sich inmitten des freigelegten Isoliermaterials eine Modellbau-Gebirgslandschaft eingenistet. Mit Hartschaum grob verschmiert, dem gleichen, in Sekundenschnelle erstarrenden gelbbräunlichen Stoff, der sich üblicherweise in Ritzen und Hohlräumen verbirgt.
Plötzlich zerreißt ein farbiger Flügelschlag das Halbdunkel. Ein Spielzeugvogel aus Blech, im Videobild monumental vergrößert, flattert unter wehleidigen Quietschgeräuschen scheinbar verwirrt und ziellos kreuz und quer. Als bunter Paradies- oder Mythenvogel Phoenix zieht er verzweifelt seine Kreise auf der Suche nach Ausflucht oder Unterschlupf.
Christine Biehler hat ihre Installation - die tatsächliche Bezeichnung einer englischen Biersorte aufgreifend - "Heimatlager" genannt. Der Titel klingt so vertraulich wie der Begriff Heimat, und doch wird man im Wörterbuch vergeblich danach suchen. Der Duden kennt die schillerndsten Wortverbindungen: Heimaterde, Heimatkunde, Heimathafen, Heimatstaat, Heimatfest, Heimatlose, Heimatvertriebene, nicht zu vergessen: Heimatkunst, Heimatmuseum und Heimatfilm. Erst recht die zahlreichen Wortschöpfungen auf heim: heimkehren, heimleuchten, heimgehen, heimsuchen, heimzahlen, heimelig, heimlich, unheimlich, Heimweh oder Heimtücke. Andere Assoziationsfelder weckt der Begriff "Lager", meist im unguten Sinne. In Vergessenheit geraten scheint die angenehme romantische Vorstellung des "Sich-Lagerns" unter freiem Himmel in idyllischer Natur. Unwillkürlich denkt man statt dessen an Enge, Zusammengepferchtsein und landet gedanklich bei Notunterkunft, Lazarett, Gefangenen- und nicht zuletzt Konzentrationslager. Der Begriff "Lager" hat im Deutschen außer im dinglichen Bereich seine Neutralität eingebüßt und jeden positiven Klang verloren. So betrachtet meint er nachgerade das Gegenteil von Heim, Herd und Behütetheit. Die Kombination aus "Heimat" und "Lager" dagegen existiert wohl nur als doppeldeutig-skurriler Name eines Brauereiprodukts.
Christine Biehler gelingt es mit ihrer Arbeit in das Spannungsfeld um Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit auf der einen und ihren Abgründen und Klischees auf der anderen Seite hineinzustoßen. Der Vogel, der sein Nest sucht, der Wanderer mit Koffer, der kranke Hund, die Modellbaulandschaft im Miniaturformat, kleine Heimaten, Refugien der Hobbybastler oder aus längst vergessenen Kindertagen. Schließlich: der Kühlschrank als Ort der Nahrung, als Speiselager. Gestalterisch kehrt Christine Biehler Inneres nach Außen, macht Prozesse sichtbar, verfremdet, stülpt um, geht den Dingen auf den Grund. Sie bestückt Räume, ohne sie auszufüllen, sie läßt Leere zu und lotet doch alle Koordinaten des Raumes (Decke, Wand und Boden) bis in die entlegensten Ecken aus. Sie verschließt Einblicke zum Teil oder ganz und öffnet wiederum neue mit Hilfe projektiver Verfahren. Sie setzt harte gegen weiche, kalte gegen warme, organische gegen künstliche Stoffe und sie spielt mit extremen Größenrelationen, bei denen immer wieder das existentielle Bedürfnis nach Verortung und der Wunsch eines jeden Menschen zum Vorschein tritt, seinen Platz in der Welt zu finden.
Christine Biehlers Arbeit gibt Anlaß, jenseits vorschneller Sentimentalitäten und Versöhnlichkeiten über die eigene Heimat nachzudenken, um möglicherweise im Zirkelschluß wieder dort anzukommen, womit alles anfing. Die Künstlerin definiert für sich und fragt: "Heimat ist etwas Verlorenes, sie hat mit frühen Erfahrungen zu tun und kennzeichnet eine Suche, eine Sehnsucht, die sich nur in Augenblicken wieder erfüllen läßt und von Scheitern geprägt ist. Kann Kunst Heimat bieten?"
Text von Justus Jonas-Edel

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Mikrokosmonaut

 - Fides Becker - Christine Biehler - Bea Emsbach
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Kunstverein Braunschweig S Nov 1997 - Nov 1997 Braunschweig (297) +0