Artist | Mimmo Rotella (1918 - 2006)

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Exhibition at Binz & Kraemer

Exhibition at Binz & Kraemer

ERRÓ Collagen
ROTELLA Décollagen
Zwei Positionen im Nouveau Réalisme

05. Juli 2002 - 07.September 2002
Galerie Binz & Krämer, Elsaßstrasse 9, D-50677 Köln

Mimmo Rotella
Schöpfer doppelter Welten.

Im Rückblick auf fünfzig Schaffensjahre von Mimmo Rotella fällt auf, daß das, was dazumal sozusagen als ein ketzerisches Verhältnis zur Malerei erschien, im Lauf der Zeit andere Kennzeichen annahm. Die radikale Manipulation bestehender Bilder, die Rotella seit den fünfziger Jahren vollzog, wurde damals innerhalb einer Krise der Malerei gesehen, die die traditionellen Mittel der Kunst aus der sakralen Aura herausführen wollte, von der sie im Lauf der Kunstgeschichte umgeben gewesen waren. Bei Rotella wurde die Betonung auf die Materie dieser „Malerei” umgeleitet, auf das zerrissene, als reine Materie aufgefaßte Papier, eine neue Haltung, die dazu führte, daß man verkünden konnte:
„Wir werden aus allem Bilder machen, aus der ganzen Materie der Welt...”.

Die Manipulation der Materie, wie Rotella sie vollzog, kam aufgrund seiner öffentlichen Wand-Eingriffe, der Zerreiß-Events vor den Augen des Publikums und den Objektiven der Fotografen dem Happening nahe. Diese Eingriffe kündigten die Erweiterung eines medialen Zusammenhangs an, von dem man damals noch nicht wußte, welche Fähigkeiten, Bedeutungen zu schaffen und zu manipulieren, in ihm steckten. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß am Ende des Jahrhunderts die gesteigerte Bedeutung des Medienpanoramas in der westlichen Welt uns zwingt, neue Deutungsschlüssel hinzuzufügen, um Rotellas Arbeit lesbar zu machen (wie auch viele Beispiele der Pop Art).

Die Umwandlung der Plakate, die Rotella Mitte der fünfziger Jahre unternommen hat, stellt ein Verfahren der Deformation dar, das über die Konfliktbeziehung hinausgeht, die der Künstler um die Jahrhundertmitte zur Materie der Kunst einnahm. Noch vor den Verfahren der Aneignung, die für die Pop Art, die konzeptuelle Kunst und die Epigonen der Postmoderne typisch wurden, ging Rotetta mit seiner ständigen Umformung der bestehenden Bilder voraus: er präsentierte eher das Bild neu als es darzustellen, er gewöhnte uns an eine Phase des Abbaues und der Lösung aus dem Zusammenhang der Kunst als Objekt (was später dann zu seiner bevorzugten Praxis wurde) und ließ dabei seine Absicht erkennen, auf die passiven Ikonen zu reagieren, die der „Welthandel” (Pierre Restany) nötig hat, um seine aufdringliche Existenz bekanntzumachen. Wie Tommaso Trini hervorhebt, bedeutet diese Tätigkeit keine rein ästhetische Lösung: die Plakate von den Wänden zu reißen ist eine Form der Kompensation gegenüber einer Gesellschaft, die den Geschmack an der Veränderung verloren hat.

Obwohl Rotella sich völlig dessen bewußt ist, was um ihn herum geschieht – bis 1953 malte er schließlich selbst „Ölbilder im neoplastischen Stil” – erahnt man schon in den fünfziger Jahren seine Absicht, ein Spiel der Verdopplung zu betreiben, gewöhnliche Objekte und Ikonen so zu behandeln, als ob sie Kunst wären, in der Schwebe zwischen dem Sakralen und dem Profanen, zwischen Alltag und Universalität. „Autorotella”, die 1974 veröffentlichte Autobiographie, ist ein dauerndes Hin und Her von Verweisen zwischen Wirklichkeit und Fiktion, zwischen Tagesereignis und Geschichte, alltäglichen Mythologien und einer Kunst, die viel von ihrer Sakralität eingebüßt hat.

Bei Rotella schlägt sich all das in seiner Kunst nieder. sowohl Pierre Restany als auch Martin Hentschel sprechen von „doppelter Décollage”, einem Begriff, der sich einerseits auf die Technik (die vielen verschiedenen Papierschichten, die dem Künstler eine größere Plastizität seines Bildes erlauben) bezieht, andererseits auf die Möglichkeit für Rotella, innerhalb dieser Technik auch Fehler zu absorbieren, da diese einen Kompositionsprozeß begünstigt, der viel dem Zufall verdankt.

Bereits in „Sfigurabile” hatte ich geschrieben: „Rotellas Plakate sind das Ergebnis dieser dauernden Begegnung von Sakral und Profan, Nützlich und Angenehm, zwischen der Zuneigung zu alltäglichen Dingen und einer offen manipulatorischen, persönlichen Interpretation dessen, was wir Kunst nennen”. Tatsächlich existiert in Rotella diese Fähigkeit zur Verdopplung (Mann und Künstler, Maler und Konzeptueller, alltäglich-praktisch und theoretisch in einem), ebenso wie eine überhebliche Werbung als „Welthandel” das Bild dieser Welt vervielfachen möchte, um es uns zum Kauf anzubieten. Alle Sujets der Décollagen gehören (anfangs) in den Bereich der Werbung: es handelt sich dabei um Werbung in ihrem herkömmlichsten Sinn, nämlich als Plakat an der Straße. Voreinigen Jahren hat Rotella mit der Ausstellung „Felliniana” dem berühmten, in Rimini geborenen Regisseur eine große Hommage dargebracht.

Federico Fellini war nicht zufällig ein Künstler, den es zu Beginn des Neorealismus auf die Straße zog, und die Straße war auch die Bühne, von der aus Rotella seine Recherchen begann, um unserer Vorstellung ebenso Bruchstücke, Spuren und Risse zu entnehmen. Der Film ist die Traummaschine schlechthin, Schöpfer dialektischer Kompositionen, die Räume für unsere Wünsche erfinden. Rotella mußte sich dessen bewußt sein, bevor er dazu überging, die vielen Marilyns, Kennedys und Coca-Colas abzureißen. Aber es besteht ein großer Unterschied zwischen der Bild-Aneignung der

Pop-Künstler und der, die Rotella vollbringt: die Pop-Art verherrlicht ihre Sujets, respektiert und verstärkt ihre Rolle als Ikonen und rührt die Werbetrommel für die Konsumgesellschaft – Rotellas Aneignung zerlegt stattdessen (wenigstens zum Teil) die Maschine der Täuschung, indem sie sie auf seine Art verdoppelt, um seine eigenen Erzählungen darauf aufzubauen.

So ist es heute auch im Verhältnis zur Mode – die schnell sein (Flash), Tendenzen einfangen (Fashion) und uns subtil und sinnlich in ihren Bann ziehen möchte (Flesh) – Mimmo Rotella tritt wieder dazu an, eine Bühne zu verdoppeln, die sich scheinbar knapp an der Perfektion entlang bewegt, der aber (aus deutlich erkennbaren Gründen) die Mischung von Unbehagen und problematischer Identifikation fehlt, die der Mensch des ausgehenden Jahrhunderts gegenüber den gewöhnlichsten Vorstellungen empfindet. Last but not least kann Rotella nicht anders als die Bilder zu sammeln, die ihn umgeben – da er ja selbst in der Stadt der Mode lebt - er manipuliert sie allerdings nach seinem Gutdünken, indem er dort ansetzt, wo altes nur aufgrund der Konventionen, die unseren Blick bestimmen, lebt, wobei er die visuellen Mechanismen zerlegt, die auf leichte Verführung abzielen, und durch die Kunst jenes intuitive Verlangen wiederherstellt, das individuell und angeboren ist, obwohl andere es nur als anempfunden auffassen.
Gianni Romano

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