Gallery | Galerie Heinemann

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Halil-bek Mussayassul

 

Halil-bek Mussayassul

August 1929, Galerie Heinemann, München

Dem Besucher dieser Ausstellung müssen wir einige Daten an die Hand geben, damit er leichter den Weg zum Kunstwerk finde. Halil-bek Mussayassul ist geboren in Tschoch in Daghestan 1896. Er ist Sohn des Naib Israfil Mussa von Gunib. Zur weiteren Erklärung fügen wir hinzu, dass das Gebiet von Daghestan im nördlichen Kaukasus am Kaspischen Meer liegt und von verschiedenen, nach Sprache und Gesittung getrennten mohammedanischen Stämmen bewohnt wird, und dass unter diesen der Stamm der Awaren, dem Halil-bek angehört, der führende, der größte und tapferste ist. Künstlerische Bildung gehört nicht zu den Idealen seines Stammes. Halil-bek ist eine Ausnahme und der Umstand, dass er als der erste Künstler nach europäischen Begriffen aus diesem entlegenen östlichen Bergland an der Grenze Asiens bezeichnet werden darf, ist immerhin so bemerkenswert, dass wir ausdrücklich darauf hinweisen müssen. Auch der Weg des Malers ist nicht der gewöhnliche. Man darf nicht vergessen, dass die Darstellung des Menschen durch den Islam überhaupt verboten ist. Halil-bek sollte Scheich werden und nach dem berühmtesten Scheich seines Landes, dem gelehrten Halil, erhielt er auch seinen Namen. Er besuchte die Schulen in Temir-chan-Schura, Grosny, Tiflis (1908 13) und gab schon als junger Mann 1917 eine Zeitschrift heraus 'Tangh tscholpan' (der Morgenstern), die sich mit der groben Vergangenheit seines Vaterlandes beschäftigte. Die Versuche, diesen Inhalt in Illustrationen auch bildlich zu verlebendigen, entschieden über die künstlerische Bestimmung. Halil-bek ging ganz zur Malerei über. Noch während der kriegerischen Wirren 1919 veranstaltete er eine größere Ausstellung in Wladikavkas. Der Ausbruch der Revolution zwang ihn mit seinen Bildern zurück nach Daghestan zu fliehen. Als die Wirren auch nach Daghestan übergriffen, ging er in die Türkei (1921) nach Samsun, wo er zur Unter-stützung des roten Halbmondes auch eine Ausstellung seiner Werke arrangierte, und von da nach Deutschland (1922). Seitdem lebt er in München. Hier suchte er für sein künstlerisches Schaffen auch die nötige Grundlage zu gewinnen. Er besuchte die Akademie und wurde Schüler von Habermann [Hugo von Habermann, 1849-1929]und Groeber [Hermann Groeber, 1865-1935]. Seit 1926 steht er auf eigenen Füßen. Bilder seiner Hand waren bisher ausgestellt im Glaspalast 1924, im Münchner Kunstverein 1926, in Moskau und Daghestan 1928. Im Frühjahr 1929 hat Halil-bek bei Gelegenheit einer größeren Reise in Ägypten und Syrien die Familie des verstorbenen Sultans von Ägypten porträtiert.
Ein aufmerksames Auge wird aus seinen Bildern noch die Fäden dieses verschlungenen Wachstums herauslesen können. In manche Eigenart muh sich das Auge des modernen Europäers erst hineinsehen. Die Form der romantischen Kompositionen, deren Inhalt die Geschichte und Sage seiner Heimat bilden, wird der am ersten verstehen, der durch persische Miniaturen mit dem orientalischen Geist vertraut ist. Wir wünschen dem jungen Künstler, dass er über den an der Akademie erlernten europäischen Schliff hinweg noch mehr den Weg zu seiner Ursprünglichkeit finde. Talent und starke Empfindung sind in reichem Maße da.
A. Feulner [Adolf Feulner]

Source: Exhibition catalog foreword

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